Ratgeber

Wird der neue EU-Zoll pro Paket oder pro Artikel berechnet?

Weder noch — und genau hier irren die meisten Schlagzeilen. Der Pauschalzoll von 3 € gilt für jede unterschiedliche HS6-Tarifposition innerhalb der Sendung. Ein Paket mit nur einer Warenart zahlt ihn einmal; ein Paket mit drei verschiedenen Warenarten zahlt ihn dreimal, obwohl es ein einziges Paket ist.

Das Wort „Tarifposition“ entscheidet also über Ihre Rechnung. Betroffen sind Sendungen bis 150 € Warenwert von IOSS-registrierten Verkäufern — der Normalfall bei Temu, Shein oder AliExpress.

Was eine HS6-Tarifposition ist

HS6 bezeichnet die ersten sechs Stellen der international einheitlichen Zolltarifnummer, mit der Zollbehörden jede Ware einordnen. Eine Handyhülle fällt unter 8517.70, ein gestricktes T-Shirt unter 6109.90, ein Spielzeug unter 9503.00. Zwei Produkte teilen sich eine Tarifposition, wenn ihre ersten sechs Stellen übereinstimmen — Farbe, Größe und Marke spielen keine Rolle.

Ein konkretes Paket, Schritt für Schritt

Nehmen Sie eine Bestellung mit Handyhülle, T-Shirt und Spielzeug. Drei Warenarten, drei verschiedene HS6-Positionen, also drei Tarifzeilen: Der Zoll beträgt 3 € × 3. Die Anzahl der Pakete kam in dieser Rechnung nie vor.

Jetzt der Gegenfall: drei T-Shirts in verschiedenen Farben und Größen. Alle fallen unter dieselbe Strickwaren-Position, die ganze Sendung ist eine einzige Tarifzeile und zahlt 3 € genau einmal — trotz drei Artikeln. Die Vielfalt treibt den Zoll, nicht die Stückzahl.

Warum das bei Billig-Bestellungen richtig ins Geld geht

„Pauschale pro Paket“ ist die einfachere Geschichte, deshalb steht sie in vielen Artikeln. Aber Marktplatz-Bestellungen bestehen selten aus einer Warenart: Gadget plus Hülle plus Kabel ist auf Temu-artigen Plattformen der Normalfall, und jede zusätzliche Kategorie fügt eine Tarifzeile hinzu. Wer die Regel falsch liest, unterschätzt genau die Bestellungen, auf die die Reform zielt.

Eine Grenze sollten Sie im Blick behalten: Die Abgabe pro Tarifzeile existiert nur auf dem IOSS-Weg. Ist Ihr Verkäufer nicht IOSS-registriert, gibt es gar keinen Pauschalzoll — das Paket zahlt stattdessen den regulären Zolltarif seiner Warennummer.

Eigene Bestellung im Rechner durchrechnen

Häufige Fragen

Fällt der neue EU-Zoll auf kleine Pakete einmal pro Paket an?
Nein. Nach der Verordnung (EU) 2026/382 wird der Pauschalbetrag von 3 € für jede unterschiedliche HS6-Tarifposition einer Sendung bis 150 € erhoben, sofern der Verkäufer IOSS-registriert ist. Ein Paket mit vier verschiedenen Warenkategorien zahlt den Betrag viermal; ein Paket voller identischer Ware zahlt ihn einmal.
Zahle ich den Zoll für jeden einzelnen Artikel meiner Bestellung?
Nein — die Stückzahl ist unerheblich. Artikel mit derselben sechsstelligen HS-Position bilden eine gemeinsame Tarifzeile und zahlen 3 € einmal, egal ob Sie ein Stück oder zehn bestellen. Teurer wird es nur, wenn Ihre Bestellung Warenarten aus verschiedenen Positionen mischt, denn jede zusätzliche Position zählt als eigene Zeile.
Wer ordnet meiner Ware die HS6-Nummer zu?
Die Nummer stammt aus dem Harmonisierten System der Weltzollorganisation. Bei Marktplatz-Paketen trägt der Verkäufer oder der Zollagent des Zustellers die Position in die Anmeldung ein — als Käufer klassifizieren Sie in der Regel nichts selbst. Jede Warenart hat genau eine korrekte Position, und identische Waren teilen sie sich immer.
Gilt die Abgabe pro Tarifzeile auch ohne IOSS-Registrierung des Verkäufers?
Nein. Der Pauschalzoll ist an den IOSS-Weg gebunden. Eine Nicht-IOSS-Sendung unter 150 € wird per vereinfachter H7-Anmeldung abgefertigt und zahlt den regulären EU-Zollsatz ihrer Warennummer, dazu Einfuhrumsatzsteuer und meist ein Auslagenentgelt des Zustellers — zusammen häufig mehr, als die Pauschale gekostet hätte.

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